Erstellt am 10.04.2009

Von Mitte Januar bis Mitte März 2009 verbrachte Marie-Christine Wehrmann im Rahmen ihrer Examensarbeit zwei Monate in der Pope John Paul Junior Secondary School in Ahiara/Nigeria

Ein Forschungsabenteuer in Afrika -


              - Zum Datenerheben nach Nigeria

Marie-Christine Wehrmann studiert in Münster Mathematik und Sportwissenschaften. Für ihre Examensarbeit in der Sportpsychologie reiste sie jedoch nach Nigeria, um das Selbstkonzept und die körperlichen Aktivitäten nigerianischer Jugendlicher zu erfassen. Die Sportstudentin erhielt ein Stipendium zur wissenschaftlichen Aus- und Fortbildung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) für ihre empirische Forschungsarbeit.

Marie-Christine WehrmannTief beeindruckt ist Marie-Christine Wehrmann nun von ihrer Forschungsreise aus Afrika zurückgekehrt. Die letzten zwei Monate (Mitte Januar bis Mitte März) untersuchte sie das Spiel-, Sport- und Bewegungsverhalten sowie die motorische Leistungsfähigkeit nigerianischer SchülerInnen und setzte diese in Beziehung zu den verschiedenen Facetten des Selbstkonzepts. "Sport und Bewegung gehören zu den möglichen Einflussfaktoren, denen eine positive Wirkung auf die Selbstkonzept-Entwicklung zugeschrieben wird," so die Studentin "Nach dem derzeitigen Forschungsstand lassen sich die hohen Erwartungen an Sport und Bewegung, einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des generellen Selbstkonzepts haben zu können, jedoch nicht abbilden".


Balancierende Kinder in AhiaraIn erster Linie machte die Studentin eine exemplarische Bestandsaufnahme in Bezug auf körperliche Aktivitäten und das Selbstkonzept bei 170 nigerianischen SchülerInnen einer Junior Secondary School im ländlichem Umfeld (Katholische Diözese Ahiara im Südosten Nigerias), um zu eruieren, welche Aktivitäten die Jugendlichen in ihrer Freizeit unternehmen (Freizeitanalyse), wodurch diese Aktivitäten charakterisiert sind, wie stark ihr allgemeines physisches, emotionales und soziales Selbstkonzept ausgeprägt ist, welche motorische Leistungsfähigkeit sie haben (Zustandsbeschreibung) und ob motorische Bewegungsmängel vorliegen. "Die Jugendlichen haben in den motorischen Tests sehr gute Ergebnisse erzielt, obwohl sie schlechtere Bedingungen hatten, so z.B. fehlende Sportschuhe. Den 20m Sprint haben die Jugendlichen barfuss gemacht." berichtet Marie-Christine Wehrmann. In Nigeria fand die Studentin eine Fülle von freiem bewegungsbezogenen Spiel, aber auch klassische westliche Sportspiele vor wie Fußball, Badminton und Volleyball und konnte sich durch ihre Beobachtungen ein umfangreiches Bild von dem Spiel-, Bewegungs- und Sportverhalten nigerianischer Jugendlicher machen.
Marie-Christine Wehrmann vermutet, dass gerade die Bewegung in der Freizeit, die freie und natürliche Bewegung und das bewegungsbezogene Spiel das generelle Selbstkonzept positiv beeinflussen können, da sich beim bewegungsbezogenen Spiel die Kinder und Jugendlichen wesentlich intensiver mit ihrem Körper auseinandersetzen und Kreativität entwickeln, indem sie selbst neue Spiele erfinden. Das bewegungsbezogene Spiel könne daher mehr Facetten, u.a. sozialer, emotionaler und physischer Art, des generellen Selbstkonzepts ansprechen als der vereinsorganisierte Sport, der im Mittelpunkt bisheriger Studien stand.

Das Thema ihrer Examensarbeit stellt zugleich eine Verknüpfung ihres wissenschaftlichen Interesses und ihres ehrenamtliches Engagements dar. Seit 2005 ist Marie-Christine Wehrmann aktives Mitglied im Ökumenischen Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus Wolbeck e.V. (seit 2008 im Vorstand) und organisierte u.a. die Jazz-Charity-Konzerte im Dininghof Münster zugunsten von Projekten des ÖWK. Über den Kreis kam auch der Kontakt zu der nigerianischen Junior Secondary Model School "Pope Jean Paul II" in Ahiara zustande. Der ÖWK St. Nikolaus konnte diese Schule mit Unterstützung des Bundesministeriums für Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) in den Jahren 2005-2007 bauen. Sie dient vor allem der Förderung von Kindern und Jugendlichen aus dem armen ländlichen Hinterland der Diözese, die somit die Chance haben, durch Bildung dem Kreislauf der Armut zu entkommen.
Neben dem Forschungserfolg, der der Examensarbeit zugute kommen wird, zählt für Marie-Christine Wehrmann vor allem die menschliche Erfahrung, die sie in Nigeria machen konnte. Sie wird die ihr entgegengebrachte Gastfreundschaft, die Herzlichkeit und Lebensfreude der Menschen dort so schnell nicht vergessen. Wie sehr sie in das Leben der SchülerInnen integriert wurde, zeigt der Name, den ihr die Jugendlichen gaben. Sie nannten sie liebevoll Ifeoma, was "Good thing" bedeutet.