von Ulrich Zurmühl
Meine Beziehungen zu Indien.
Wir waren erst seit kurzem nach Wolbeck gezogen, hatten jetzt ein Haus, drei gesunde Kinder und ein geregeltes Einkommen. Es ging uns also gut.
Wir lernten die Kindernothilfe kennen, eine Einrichtung, die arme und bedürftige Kinder in Ländern der "dritten Welt" unterstützte. Es war uns möglich, für jedes unserer eigenen Kinder ein weiteres Kind in der weiten Welt zu "adopotieren".
Dazu gehörte seit 1974 in Indien ein 20 jähriger Student, Lamech Gunasekaran. Ich bekam eines Tages einen Brief von ihm, der damals in Madras in Südindien wohnte. Sein Vater war sehr früh gestorben, seine Mutter hatte wieder geheiratet. Der heranwachsende Junge wurde von seinem Stiefvater abgelehnt. Durch die Kindernothilfe konnte er die Schule besuchen und dann, als ich seine Patenschaft übernahm, auch studieren. Es entwickelte sich sehr bald ein sehr reger Briefwechsel zwischen ihm und mir. Ich war für Gunasekaran jetzt der Vater, den er so lange entbehrt hatte. Er studierte auf meine Anregung hin "Sozialarbeit", weil ich schon gemerkt hatte, dass das seinen Interessen entsprach. Nach seiner Ausbildung wurde er in der Kindernothilfe in Indien als Heimberater eingestellt. (Siehe auch die Theorien des Lamech Gunasekaran.)
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Als sein Onkel und seine Mutter für ihn eine Frau ausgesucht hatten (das ist auch heute noch so in Indien!), bat er mich dringend, zur Hochzeit nach Indien zu kommen, damit er mit mir als seinem Vater "aufwarten" könne. Es waren bewegende Tage um die Jahreswende 1980/81, sowohl die Festlichkeiten der Hochzeit als auch die anschließende Rundfahrt durch Südindien.
In einem Brief ein Jahr später fragte er mich nach dem Namen, den ich meinem gerade geborenen Enkel in Indien zu geben gedächte. Das wäre jetzt meine Aufgabe! Sein Vorschlag war "Ulrich", womit ich einverstanden war.
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Gunasekaran war im Jahre 1989 zu Besuch bei seiner Halbschwester in den USA, bei der Gelegenheit lernte er die christliche Gemeinschaft "Calvary Chapel" aus Bois kennen. Er ist mittlerweile Pfarrer und arbeitet mit dieser Gemeinschaft zusammen.
Unter dem Dach des "Calvary Chapel Trust" Bangalore ist eine große Zahl von Aktivitäten entstanden.
In all den genannten gemeinnützigen Programmen unterscheidet der von der indischen Regierung staatlich als gemeinnützige Organisation anerkannte Verein CCT nicht nach Kaste, Religion, Geschlecht oder Glaubensüberzeugung. "Wir nehmen jeden als Geschöpf Gottes an." Die Nutznießer der Programme sind zum größten Teil Nichtchristen.
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Seit Beginn der 90er Jahre bestehen Beziehungen der Evangelischen Kirchengemeinde Wolbeck zum Calvary Chapel Trust Bangalore (CCT). Im Zuge dieser immer weiter ausgebauten Beziehungen unterstützte die Gemeinde den CCT mit Einzellfallhilfen, der Übernahme von Patenschaften und dem Bau eines Wohnheimes für Jungen in Bangalore.
1996
Besuch Ulrich Zurmühls zur Einweihung eines großen Kinderheims in Krishnagiri. Geschenk der Gemeinde: Geld für Schulkleidung und Schultaschen für die neu aufgenommenen Kinder (5-6 Jahre).
Mädchengruppe in einem Wohnheim

1998
Weihnachtszuwendung für alte leprakranke Menschen und "Zigeuner".
Mit Spenden aus Wolbeck wurde der Neubau des Jungen-Heims "Home of Hope" mitfinanziert.
Abstimmung im Gottesdienst über den Spendenzweck des Erlöses vom Gemeindefest (auf Wunsch der Partnergemeinde): Ankauf eines größeren Grundstückes mit großem Obstbaumbestand für die Ernährung der Heimkinder im "Home of Hope".
Baustelle des Jungenwohnheims "Home of Hope" | ||
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Brunnenbohrung und Eingangsbereich des fertigen Wohnheims | ||
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1999
Finanzielle Unterstützung der Arbeit der Calvary Chapel Mitglieder bei der großen Überschwemmungskatastrophe.
Oktober 2000
Unsere indische Partnergemeinde ist durch eine Webseite im Internet zu finden, die Ulrich John, ein Sohn von Pastor Gunasekaran eingerichtet hat:
www.calvarychapel.com/bangalore informiert so schnell wie möglich!
2001
Finanzielle Unterstützung des CCT beim Erdbeben in Nordindien.
Sommer 2001
Besuch von Pastor Gunasekaran mit seinem Sohn Ulrich John in Wolbeck. (siehe Familienfotos)
2002
Zuschuss für ein Kinderheim in Bangalore
2003
Vermittlung einer privaten Spende zum Ankauf eines großen Grundstücks in Bangalore.
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2003/2004
Beginn der Zusammenarbeit der beiden christlichen Gemeinden in Wolbeck im Ökumenischen Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus Wolbeck zur weiteren Unterstützung des CCT.
Als erstes wird die Anschaffung eines Krankenfahrzeuges geplant und umgesetzt. Es soll in den Slums von Bangalore eingesetzt werden.
November 2004
Inbetriebnahme des Krankenfahrzeugs in Bangalore
Das Krankenfahrzeug des ÖWK erleichtert die Arbeit des CCT. | ||
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Januar 2005
Katastrophenhilfe in der vom Tsunami betroffenen Region
Nach der Flutkatastrophe engagiert sich der CCT in der Umgebung von Nagapatinam. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und NGO's wird erfolgreich Ersthilfe und längerfristige Betreuung geleistet. Die Verwendung der grossen Spendensumme von 12.000 Euro aus Wolbeck ist auf einer Sonderseite dokumentiert.
März 2005
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Überraschender Besuch zu den Ostertagen |
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Begegnungsreise vom 12. bis 25. Februar 2006
Am 12.2.06 begab ich mich mit Marie-Christine Wehrmann, ein aktives Mitglied des Aktionskreises, auf die weite Fahrt in eine ganz andere Welt.
Wir besichtigten die Kinderheimprojekte des CCT in Bangalore und weiterer Umgebung – insgesamt gibt es mittlerweile drei Heime für Voll- und Halbwaisen mit ca. 180 Kindern, Zahl steigend -, wir fuhren in die Tsunamiregion, wo der CCT sechs Monate lang Katastrophenhilfe leistete, wir sahen das Engagement der Mitarbeiter des CCT in den Slums von Bangalore und in den Leprakolonien, und wir kehrten tief beeindruckt in unsere "heile" Zivilisation zurück.
Die Bilder (auf der Bilderseite und im Reisebericht (1,18mb pdf)) reflektieren einen Teil der Erlebnisse, zu denen auch die reiche Kultur Indiens gehört, die wiederum auf dem Hintergrund des Zusammenpralls mehrerer Weltreligionen nur z. T. ein einheitliches Bild widerspiegeln können. Einen Hindutempel zu besichtigen, ist beeindruckend. Aber wenn man weiß, wie schwierig das Verhältnis zwischen Hindus und Christen, zwischen Hindus und Moslems und wiederum zwischen Moslems und Christen ist, wird auch eine dunkle Seite sichtbar, die den Blick auf soziale und politische Probleme lenkt. Wie können Menschen mit so unterschiedlichem religiösen Hintergrund tolerant miteinander umgehen?
Pastor Gunasekaran und sein Team bieten eine Möglichkeit an. Seine Botschaft ist die Liebe zum Nächsten, egal, wie er uns entgegen tritt.
Ingrid Sieverding
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2008
Haus für aidskranke Kinder
Dank einer großzügigen Spende aus Wolbeck konnte 2008 ein Haus für aidskranke Kinder auf dem Gelände des "Payer Garden" errichtet werden. Zu diesem Haus gehört auch eine Küche, ein Speisesaal und ein kleiner Spielplatz.
| Zum Vergrößern anklicken. | ||
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Begegnungsreise vom 28. Oktober bis 9. November 2009
Eine Busübergabe und eine indische Hochzeit
Eine Einladung des Projektpartners, Pastor Gunasekaran, zur Hochzeit seines ältesten Sohnes war der Anlass der Reise. Während die Hochzeit als solche ein besonderes Highlight der Reise war, diente die Reise auch der Übergabe eines Busses für aidskranke Kinder in Südindien, der über Spenden des ÖWK finanziert werden konnte. Immer mehr HIV-infizierte Waisenkinder finden den Weg in Pastor Gunas Heime, da die Ausbreitung von Aids weiter im Vormarsch ist. In Tamil Nadu / Südindien gibt es bereits zwei solcher Heime und es wurde immer schwieriger, die vielen Kinder mit dem bereits vorhandenen Fahrzeug zur Schule zu bringen und auch wieder abzuholen. Außerdem waren die Passagierzahlen für Transportfahrzeuge verschärft worden. Mit dem Bus, den Ingrid Sieverding seiner Bestimmung übergeben konnte, reduziert sich die Zahl der Fahrten auf die Hälfte. Die Jungen in Thailapuram nahmen den Bus mit Begeisterung in Besitz und Ingrid Sieverding genoss mit den Kindern die Jungfernfahrt.
Der absolute Höhepunkt der Indienreise war natürlich die Hochzeit. Eine ganz andere Welt eröffnete sich den deutschen Besuchern. der BusDie Ehe wird in Indien immer noch von den Eltern arrangiert, d.h. die Ehepartner kennen sich vor der Eheschließung kaum. Immerhin akzeptieren die meisten Jugendlichen in Indien diese Form der Verbindung. Sie vertrauen darauf, dass die Eltern mehr Lebenserfahrung haben und ihre Kinder besser kennen als sie sich selbst.
Ingrid Sieverding, Christa und Ulrich Zurmühl
Zum Vergrößern bitte die Bilder anklicken.