24.06.2010

Inhalt:

Nepal und wie alles begann

Wie so viele Ferntouristen hatte auch mich das Fieber ergriffen, einmal nach Nepal, dem geheimnisvollen Königreich auf dem Dach der Welt, zu gelangen, und es ließ mich nicht mehr los. 1994 buchte ich meine erste Trekkingtour nach Nepal, die mich in die Nähe des Anapurnamassivs brachte. Geführt von einem deutschen Reiseleiter lernte ich die überwältigende Schönheit der Landschaft und Bergwelt, die mir fremde und geheimnisvolle Kultur und die Freundlichkeit der Nepali kennen.

Berge, ein Weg und Anbauflächen in Nepal

Die Schönheit der Bergwelt zeigt dieses Bild Menschen, klein wie Ameisen
Felder auf den steilen Hängen Nepals

1998 unternahm ich die nächste Trekkingtour und stand auf knapp 5.500m Höhe ehrfurchtsvoll dem Mount Everest gegenüber. Diesmal wurde unsere Gruppe von einem deutschsprechenden jungen Nepali, Narayan Adhikari, mit Spitznamen "Haribol", geführt. Durch ihn lernte ich Nepal diesmal von einer anderen Seite kennen: Die Sorgen und Nöte der Nepali, ihre Armut und die Mühen, die die Erwachsenen und auch die Kinder auf sich nehmen müssen, um ihr tägliches Brot zu erhalten. Haribol berichtete uns von ihrer Lebensweise, ihrer Kultur und von den Ausbildungsmöglichkeiten der Kinder. Er zeigte uns Krankenhäuser, Schulen, Tempel und Klöster.

Gebetsfahnen und Gebetstafeln begleiteten uns auf allen Wegen

Gebetsfahnen auf einem kleinen Gipfel Gebetstafeln an einem der alten Wege

Handel und Gewerbe in den Dörfern und auf dem Land

Ein Schneider in seiner Werkstatt Handel in Kathmandu

Zeichen der Religiösität finden sich im ganzen Land.

Die Stupa von Bodnath
Ein Sadhu

Wir lernten Haribol als einen Menschen schätzen, der sich zum Ziel gesetzt hatte, soziale und humanitäre Hilfe für die Menschen in den abgelegenen Bergregionen Nepals zu leisten. Als Mitglied des EINE-WELT-KREISES St.Nikolaus Wolbeck e.V. interessierte mich dieses Thema besonders. Ich bot ihm meine Hilfe an, und wir pflegen seitdem regelmäßige Kontakte.

"Haribol" und Pfarrer Kleymann in Wolbeck.

Haribol und Pfarrer Kleymann in Wolbeck

 

Die alte Schule in Bela.

Innenaufnahme der alten Schule von Bela, Nepal

Ebenfalls 1998 unternahm auch ein Lehrer der Wilhelmsschule in Tuttlingen, Wilfried Leibinger, unter Haribols Leitung eine Trekkingtour in das Everestgebiet. Sie sprachen vor allem über die Situation der Primary School in Bela, Haribols Heimatort. 1999 fuhr Herr Leibinger nach Bela und bot der Gemeinde die Schulpatenschaft seiner Schule über die Primary School Bela an. Gleichzeitig konkretisierte sich das Projekt, die inzwischen fast baufällige und für 250 Schulkinder viel zu kleine Primary School durch eine neue Schule zu ersetzen.

Haribol gründete die "Nepalhilfe Haribol", einen privaten Verein, der besonders in Tuttlingen und im Münchner Raum, wo auch Ursula Schambeck, seine Lebensgefährtin, wohnt, seine Anhänger und Spender fand und findet. Die Wilhelmsschule in Tuttlingen unterstützte durch viele öffentliche Veranstaltungen die Nepalhilfe Haribol. Allein im Jahr 2000 kamen dort 16.000,- DM durch Spenden zusammen.

Der Bau des neuen Weges und die Schulbaustelle.

Beim Bau des neuen Weges legen alle Hand an. Alle helfen beim Neubau der Schule. Kinder und Erwachsene beim Schulneubau in Bela.

Für die zügige Umsetzung des Schulbauprojektes war jedoch wesentlich mehr Geld erforderlich und vor allem ein kompetenter Verein (e.V.), der für eine gesicherte Abwicklung, für die Nachhaltigkeit des Projektes und für öffentliche Zuschüsse sorgen konnte. So kam es über meine Vermittlung zur Zusammenarbeit zwischen der "Nepalhilfe Haribol" und dem EWK St.Nikolaus Wolbeck e.V. Zusätzlich gründete Haribol in Nepal die Organisation HEFA (Health and Education for All), die für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Nepal zwingend notwendig war, um über den Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus e.V. Fördermittel des BMZ (BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND ZUSAMMENARBEIT) in Anspruch nehmen zu können.

Durch die Zusammenarbeit aller 3 Gruppen und mit Unterstützung des BMZ ist es schließlich gelungen, in der Zeit vom 1.11.2001 - 1.6.2002 die Schule in Bela neu zu bauen. Ich war im März 2002 dort und erlebte die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Dorfbewohner und besonders der Kinder. Das ganze Dorf hatte ohne maschinellen Einsatz riesige Erdbewegungen und Materialbeförderungen geleistet, um den Schulbau vorantreiben zu können.

Ein besonderer Dank gebührt Haribol, der sich während der gesamten Bauzeit um die Betreuung und Koordination der Bauarbeiten gekümmert hat.

Außenansichten der neuen Schule

Außenansicht Außenansicht Außenansicht

Die Dachkonstruktion, die Sickergrube und ein Klassenzimmer

Die Dachkonstruktion der neuen Schule Ein Klassenzimmer Bau der Sickergrube

Am 5. Juni 2002 wurde die Schule vom ältesten Bewohner der Gemeinde eröffnet und dem Vorstand des "School Management Commitees" die Schlüssel überreicht. Seit dem 6. Juni können eine Vorschulklasse, die 1. - 5. Klasse der Primary School und die 6. Klasse der Lower Secondary School in der Schule unterrichtet werden.

Außenansicht, der Wassertank an den Toiletten und ein Klassenzimmer.

Außenansicht der neuen Schule Die sanitären Anlagen mit dem Wassertrurm Ein Klassenzimmer

Günther Stemmer

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Und weiter geht's mit dem zweiten Bauabschnitt

Der Abriss der alten Schule, der Bagger, der Rohbau der neuen Schule.

Eindrucksvolle Bilder (13MB) von "Haribol" vermitteln sehr genau unter welchen Umständen der zweite Bauabschnitt verwirklicht wurde.
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Die beiden Schulgebäude sind fertig!

Das Schulschild

Bela / Nepal im Okt.2003

Ein Dorf in Aufbruchstimmung.

Nach achtmonatiger Bauzeit ist die Lower Secondary School in Bela / Nepal, fertiggestellt worden.
Bereits 2002 wurde eine Primary School für eine Vorschulklasse und die Klassen 1 - 5 gebaut. Der Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus Wolbeck e.V. förderte beide Schulprojekte. Am 29.10.2003 konnte ich dem stellvertretenden Direktor, Herrn Ramesh Pathak, die Schlüssel der neuen Lower Secondary School für die Klassen 6 - 10 übergeben. Es sind zwei parallele, 6 m breite und 25 m lange Gebäude mit je 4 Räumen entstanden. Der helle Anstrich, die solide feste Bauweise der Gebäude und die Einrichtung mit Bänken und Schreibtischen ist für nepalische Verhältnisse schon ungewöhnlich und zukunftweisend. Beachtenswert ist auch der große Arbeitseinsatz der Dorfbevölkerung, die mit Spaten und Hacke einen ca. 3 km langen Fahrweg zum Transport der Baustoffe gegraben haben. Auch Planierungsarbeiten und die Aushebungen für die Grundmauern wurden von Hand erledigt.
Die nepalische Hilfsorganisation HEFA (Health and Education For All), die sich als unser Ansprechpartner vor 3 Jahren gegründet hat, übernahm die Planung und den Einkauf der Baustoffe. Der Vorsitzende der HEFA, Herr Narayan Adhikari, der in Bela geboren ist, hat die Dorfbewohner mit allen Informationen über die Projektarbeit des EWK und der HEFA sowie über das Schulbauprojekt versorgt. Ein von den Eltern der Schulkinder gewähltes School Management Committee (SMC) sorgte für den geordneten Ablauf der Bauarbeiten.
Obwohl die Schule eine staatliche Schule ist, hat das SMC ein Mitspracherecht bei der Einstellung der Lehrer. Das trägt erheblich zur Qualität des Schulunterrichts bei und gibt den Eltern großes Vertrauen in die Lehrer. Deshalb besuchen alle Kinder Belas die Schule, die von den Dorfbewohnern das „Juwel des Dorfes“ genannt wird. So ist die Schule wirklich eine Schule geworden, mit der sich die Dorfbewohner identifizieren können.
Zur Zeit besuchen 50 Kinder die Vorschulklasse und 254 Kinder die Klassen 1 - 7. Die Eltern müssen für ihre Kinder eine Schulgebühr von 11 Rupien (das sind 13 Cent) im Jahr bezahlen, das ist ein Betrag, den jede Familie aufbringen kann. An anderen staatlichen Schulen sind die Gebühren erheblich höher. Der EWK hat sich verpflichtet, für die Lehrergehälter der nächsten drei Jahre aufzukommen.
Bela hat sich gewandelt. Die Innovationen der vergangenen Jahre hat das Dorf in eine Aufbruchstimmung versetzt, die die Bevölkerung zu neuen Ideen und Taten führt. So haben sie in Eigeninitiative der Distriktverwaltung die Genehmigung zur Verlegung einer ca. 3 km langen Stromleitung abgerungen. Sämtliche Arbeiten, von der Herstellung der 40 Strommasten bis zur Verlegung der Leitungen zu den Häusern, haben die Bewohner selber erledigt. Sie haben die notwendigen Gelder zur Hälfte aufgebracht, die andere Hälfte hat das Elektrizitätswerk bezahlt.
Die nächste innovative Idee der Dorfbewohner ist der Bau von Biogas-Anlagen, um die Kochstellen mit Gas betreiben zu können. Gartenabfälle sowie der Kot der Haustiere zur Befüllung der Anlage sind reichlich vorhanden. Toiletten, die zur Zeit im Dorf selten sind, könnten über der Biogas-Anlage aufgestellt werden. Eine für Nepal in entwicklungspolitischer Hinsicht zukunftweisende Idee. Das Biogas ist kostenlos und das Abholzen der dringend notwendigen Wälder wird gestoppt. Zur Umsetzung dieser Idee braucht Bela jedoch Unterstützung. Ein zukünftiges Projekt des EWK?

Ein Bericht von Günther Stemmer aus Bela.

Die Schul- und Sanitärgebäude

Schulgebäude
feierliche Schlüsselübergabe

Schlüsselübergabe
feierliche Schlüsselübergabe

Schlüsselübergabe
Schüler

Schüler
School Management Committee (SMC)

School Management Committee (SMC)
ein Teil der Lehrer

Lehrer

Die Schulen sind nun fertig gebaut. Unsere Aufgabe besteht darin, die Finanzierung der Lehrergehälter so lange zu sichern, bis der Staat Nepal die Gehälter komplett alleine tragen wird. Zur Zeit (September 2004) ist der Stand der Dinge so:

Primary School: Dort arbeiten 6 Lehrer. 4 Lehrer werden vom Staat Nepal bezahlt, 2 Lehrer sind für das Schuljahr 04/2004 - 04/2005 bereits vom ÖWK bezahlt worden.
Die Gehälter der Schuljahre 04/2005 bis 04/2007 für 2 Lehrer setzen sich wie folgt zusammen:
13 Monatsgehälter a 4.100, - NR mal 2 Jahre= 106.600, -NR (Nepalische Rupien; Kurs 1:90) = 1.178, - Euro
Ab dem 04/2007 wird (so Gott will) der Nepalische Staat die Schule übernehmen und damit auch die Gehälter bezahlen.

Lower Secondary School: Dort werden noch alle Gehälter vom ÖWK bezahlt. Bis 04/2005 sind sie von uns schon bezahlt.
Im Schuljahr 04/2005 bis 04/2006 sind 4 mal 13 Monatsgehälter a 4.900, -NR = 254,800, -NR und im Schuljahr 04/2007 sind 5 mal 13 Monatsgehälter a 4.900, -NR = 318.500, -NR zu zahlen. Das entspricht 2.831, - Euro im Jahr 2005 und 3.539, - Euro im Jahr 2006.
Für beide Schulen ergibt sich daraus eine Gesamtsumme von:
2005: 3.420, -Euro
2006: 4.128, -Euro
Möglicherweise übernimmt der Nepalische Staat noch ein oder zwei Lehrergehälter, das wird jährlich von Haribol und dem School Managment Comitee des Ortes Bela bei der Distriktverwaltung beantragt. Durch Ihre Hilfe, der Hilfe des Vereins "Nepalhilfe Haribol" in Tuttlingen und auch durch Spenden des Kopernikusgymnasiums Neubeckum werden wir in der Lage sein die Gehälter aller Lehrer zu zahlen.

Günther Stemmer (22. September 2004)

Schulurkunde des Ministeriums für Bildung und Sport des Staates NepalDas Ministerium für Bildung und Sport des Staates Nepal hat die Community School Mahankal Proposed Secondary School ausgezeichnet.
Die Schule bekam eine Auszeichnung als exzellentes Gebäude des Distriktes. Wir sind sehr stolz auf diese Auszeichnung!

Dieses Projekt ist endgültig abgeschlossen

Aus einer Email von Haribol an Günther Stemmer (von Juni 2010)

Schon längst wollte ich mich bei dir melden und über die allgemeine Lage unserer Projekte in Nepal berichten. Jetzt ist die Zeit gekommen...
Eine erfreuliche Nachricht habe ich auch noch zu berichten. Ab diesem Herbst werden alle Lehrkräfte der Schule in Bela vom Staat übernommen. Es ist eine große Erleichterung für die HEFA. Ich möchte mich bei dir und beim Ökumenischen Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus Wolbeck e.V. ganz herzlich für die große Unterstützung und Geduld bei der Bezahlung der Lehrergehälter der letzten Jahre bedanken. Es bleiben in Bela alle Lehrer so, wie wir sie eingestellt haben.

 

Der Biogasanlagenbau in Bela ist tatsächlich ein Projekt geworden! Nicht mehr als EWK, sondern als ökumenischer Verein (ÖWK St. Nikolaus Wolbeck. e.V.) begann die Realisierung dieses Projektes in Bela im Winter 2004/2005. Informationen dazu finden Sie auf dieser Homepage.